Der letzte Beitrag hier ist schon eine Weile her. Nicht, weil Long Story Short eingeschlafen ist oder weil uns das Thema weniger wichtig geworden wäre.
Es war einfach viel los.
Wer schon einmal mit mehreren Menschen an einem neuen Projekt gearbeitet hat, kennt das vielleicht: Am Anfang ist viel Energie da, viele Ideen liegen gleichzeitig auf dem Tisch und man denkt, dass manches schneller geht, als es am Ende wirklich geht. Dann kommen Kundenprojekte, Termine, andere Verpflichtungen und ganz normale Arbeitstage dazwischen. Und plötzlich ist zwischen „Das machen wir als Nächstes“ und „Jetzt ist es wirklich fertig“ mehr Zeit vergangen, als geplant war.
So war es bei uns auch.
Wir haben nicht jeden Tag mit der Geschwindigkeit an Long Story Short gearbeitet, die wir uns am Anfang vorgestellt hatten. Aber aus dem Blick verloren haben wir es nie. Manche Wochen waren produktiv, andere waren voll mit Dingen, die nicht warten konnten. Dann lag Long Story Short eben eine Weile mit auf dem Schreibtisch, bis wieder Zeit dafür war.
Das ist vielleicht nicht die perfekte Start-up-Geschichte. Aber wahrscheinlich eine ziemlich realistische.
Woran wir gerade arbeiten
Ein Thema ist in den letzten Monaten immer wichtiger geworden: Klimaaussagen.
Also die Frage, wie Unternehmen über Klimaschutz, CO₂, Kompensation, Reduktion oder Nachhaltigkeit sprechen können, ohne sich dabei größer zu machen, als sie sind.
Viele Unternehmen wollen ja gar nicht übertreiben. Sie wollen nicht tricksen, nicht glänzen, nicht aus einer kleinen Maßnahme eine große Geschichte machen. Sie wollen einfach sagen, was sie tun. Und zwar so, dass es verständlich ist, ehrlich klingt und im besten Fall auch kritischen Nachfragen standhält.
Genau das ist aber oft schwieriger, als es auf den ersten Blick wirkt.
Ein Satz auf der Website ist schnell geschrieben. Ein Begriff wie „klimaneutral“, „nachhaltig“, „CO₂-kompensiert“ oder „umweltfreundlich“ ist schnell verwendet. Aber ob die Aussage wirklich klar genug ist, ob sie belegt werden kann und ob sie beim Lesen vielleicht mehr verspricht, als gemeint war, merkt man manchmal erst beim zweiten oder dritten Hinsehen.
Und genau für dieses zweite Hinsehen entwickeln wir den Klima-Claim-Check.
Was der Klima-Claim-Check machen soll
Der Check soll keine Rechtsberatung ersetzen und auch nicht so tun, als gäbe es auf jede Formulierung eine einfache Ja-oder-Nein-Antwort. Dafür sind Klimaaussagen zu unterschiedlich, und Unternehmen sind es auch.
Aber er soll helfen, eine Aussage besser einzuschätzen.
Zum Beispiel:
▻ Was wird eigentlich behauptet? ▻ Ist klar, worauf sich die Aussage bezieht? ▻ Gibt es dafür einen Nachweis? ▻ Klingt der Satz größer, als er gemeint ist? ▻ Fehlt eine wichtige Einordnung? ▻ Wäre eine einfachere Formulierung ehrlicher?
Oft geht es gar nicht darum, eine Aussage komplett zu streichen. Manchmal reicht es, genauer zu werden. Einen Bezug zu ergänzen. Einen Nachweis mitzudenken. Oder einen Begriff zu ersetzen, der zwar gut klingt, aber zu viel offenlässt.
Das Ziel ist nicht, Kommunikation schwerer zu machen. Eher im Gegenteil: Wir möchten helfen, dass Unternehmen wieder sicherer über das sprechen können, was sie tatsächlich tun.
Warum das aus unserer Sicht gebraucht wird
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen machen oft mehr, als man von außen sieht. Sie sparen Energie, kaufen bewusster ein, unterstützen Klimaschutzprojekte, verbessern Abläufe oder beschäftigen sich ernsthaft mit ihrer Verantwortung. Nur wenn es darum geht, darüber zu sprechen, wird es schnell unsicher.
Die einen sagen lieber gar nichts, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Die anderen verwenden Begriffe, die gut klingen, aber nicht sauber genug erklärt sind. Und viele liegen irgendwo dazwischen: Sie haben etwas zu erzählen, wissen aber nicht genau, wie.
Das ist schade. Denn gute Ansätze sollten sichtbar werden dürfen. Nur eben nicht überzogen, nicht schwammig und nicht mit Wörtern, die am Ende mehr versprechen, als belegt werden kann.
Der Klima-Claim-Check soll hier ein praktischer Einstieg sein. Nicht perfekt. Nicht abschließend. Aber hilfreich genug, um einen Satz einmal anders anzuschauen.
Wo wir gerade stehen
Der Klima-Claim-Check ist inhaltlich fertig. Die Fragen stehen, die Logik dahinter auch. Gerade arbeiten wir noch an ein paar technischen und praktischen Kleinigkeiten im Tool, damit es nicht nur fachlich passt, sondern sich auch gut nutzen lässt.
Unser Ziel ist, noch vor der EMPCO richtig damit loszulegen. Dann könnt ihr eure Klimaaussagen prüfen – für Websites, Produkttexte, Angebote, Nachhaltigkeitsseiten oder einfach für diesen einen Satz, der schon länger irgendwo steht und bei dem man denkt: Kann man das eigentlich noch so sagen?
Genau dafür soll der Check da sein.
Nicht, um euch auszubremsen oder aus jedem Satz ein kleines Gutachten zu machen, sondern um klarer zu erkennen, wo eine Aussage schon gut funktioniert, wo sie noch wackelt und wo eine einfachere, genauere Formulierung besser wäre.
Und ja: Es hat länger gedauert
Das hätten wir vielleicht gern anders gehabt. Aber so ist es nun einmal, wenn ein neues Projekt nicht nebenbei entsteht, aber eben auch nicht losgelöst vom echten Arbeitsalltag.
Wir arbeiten weiter daran. Mit mehr Realismus als am Anfang, aber nicht mit weniger Überzeugung.
Denn die Idee hinter Long Story Short stimmt für uns nach wie vor: Viele Themen werden nicht leichter, wenn man sie größer macht. Sie werden leichter, wenn man einen guten Einstieg findet.
Beim Klima-Claim-Check heißt dieser Einstieg:
Schaut euch eure Aussage an. Prüft, was wirklich drinsteckt. Und sagt es dann so, dass es ehrlich bleibt.
Wir freuen uns, wenn ihr bald mit uns ausprobiert, wie das funktioniert.